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Z WIE ZACHÄUS
NIEMAND MOCHTE ZACHÄUS.
ZACHÄUS WAR EIN ZÖLLNER.
NIEMAND MOCHTE DIE ZÖLLNER.
ZACHÄUS HAT SICH VERSTECKT.
ZUM GLÜCK HAT JESUS IHN GESEHEN.
ZACHÄUS, ZU DIR WILL ICH.

Z wie Zachäus

Zachäus war Zöllner. Zöllner müssen aufpassen, dass die Leute nichts über die Grenzen schmuggeln: Waren, die man verzollen müsste. Wer in Deutschland einkaufen geht oder in Italien, weil es dort billiger ist, muss Zoll zahlen, wenn er Fleisch oder Schnaps oder Zigaretten nach Hause bringt. Mit dem Zoll wird es dann eben wieder teurer. Man probiert sie also lieber am Zöllner vorbeizuschmuggeln und hat es nicht gern, wenn er fragt: «Haben Sie Waren zu verzollen? Öffnen Sie doch bitte einmal die Taschen!»

Zur Zeit von Jesus waren Galiläa und Juda besetzte Gebiete, Provinzen des grossen Römischen Reichs. Die Römer verlangten von den Leuten Steuern und Zoll, an jedem kleinsten «Grenzübergang». An jeder Brücke zum Beispiel. Und bei jedem Stadttor, wenn die Leute ihre Waren auf den Markt bringen wollten. Und dazu mussten Juden auch noch eine Tempelsteuer bezahlen, wenn sie den Tempelbezirk betreten wollten. Denn die Römer brauchten Geld. Sie bauten Strassen. Sie führten Kriege. Sie sorgten für Ruhe und Ordnung. Sie brauchten viele Arbeiter, Beamte und noch mehr Soldaten. Die mussten sie bezahlen. Und dabei wollten sie selbst auch noch gut leben. Also pressten sie in den Provinzen so viel wie möglich aus den Leuten heraus, mit Abgaben aller Art. Da kann man sich denken, wie unbeliebt bei der jüdischen Bevölkerung die Zöllner waren, die für die Römer arbeiteten. Und trotzdem meldeten sich immer wieder junge jüdische Männer für diesen Job, denn die Römer zahlten rechte Löhne. Als Zöllner konnte man richtig gut Geld verdienen. Und nebenbei auch noch ein wenig in die eigene Tasche abzweigen, indem man für eine schnelle Abfertigung noch einen kleinen Extrabetrag entgegennahm und die, die kein Schmiergeld zahlen wollten, endlos warten liess. Einer, der sich darauf besonders gut verstand, war Zachäus: Oberzöllner in Jericho, geschäftstüchtig und sehr reich.

Eines Tages vernahm er, dass Jesus auf dem Weg nach Jericho sei. Den Mann, von dem die Leute so viel Wunderbares und Merkwürdiges erzählten, den hätte er gerne auch einmal gesehen. Die frommen Juden misstrauten ihm zwar. Aber die misstrauten ja allen, den Armen weil sie arm waren, den Reichen weil sie reich waren, den Zöllnern ohnehin und ihn verachteten sie ganz besonders: schliesslich wussten alle, dass er aus einer bettelarmen Familie kam, als Zöllner für die Römer arbeitete und es zu grossem Reichtum gebracht hatte. Diese Heuchler, die waren bloss neidisch, weil es ihm besser ging als ihnen.

Aber diesen Jesus einmal sehen, das wollte er. Der hatte Freunde unter den Armen und den Reichen. Der war nicht wie die Frommen. Der verachtete niemanden. Er heilte auch Kranke. Wo er hinkam, liefen die Leute zusammen. So war es auch in Jericho. Als er vor sein Haus trat, drängten sich in den Strassen bereits so viele Menschen, dass kein Durchkommen mehr war. Und ihm, den keiner mochte, würde ohnehin niemand Platz machen. Zachäus war ein kleiner Mann. Wie sollte er über die vielen Köpfe hinweg einen Blick auf diesen Jesus erhaschen, auf den sie alle warteten? Er kämpfte sich entschlossen durch die Menge, um wenigstens ein bisschen vorne zu stehen. Keine Chance! Um trotzdem etwas sehen zu können, vielleicht auch um selbst nicht gesehen zu werden, kletterte er deshalb kurz entschlossen auf den Maulbeerfeigenbaum, der neben dem Zollhaus stand. Hier musste Jesus ja vorbeikommen, wenn er in die Stadt hinein wollte. Es war schon später Nachmittag. Plötzlich kam Bewegung in die Volksmenge, und wirklich, da erblickte er ihn, einen jungen Mann, gefolgt von ein paar Schülern. Der musste es sein, denn zu ihm drängten die Menschen. Viele wollten ihn nur einmal berühren. Fast wie die Gläubigen auf dem Petersplatz, wenn der Papst durch die Menge fährt. Schon war Jesus ganz in seiner Nähe, schaute zum Baum hinauf und entdeckte ihn dort oben. Er sah ihn an und rief ihn sogar beim Namen: «Zachäus, los, komm von dem Baum herunter. Ich möchte heute Abend bei dir zu Gast sein!» Ausgerechnet bei ihm, mit dem seine Landsleute nichts mehr zu tun haben wollten, wollte Jesus einkehren? Ausgerechnet bei ihm, den die Frommen verachteten und die meisten Leute hassten? Ausgerechnet bei ihm! Das erfüllte den Oberzöllner mit grösster Freude und er kletterte voller Aufregung vom Baum herunter und führte Jesus in sein Haus. «Ausgerechnet bei dem», flüsterten hinter seinem Rücken viele, «der uns bestiehlt und aussaugt und erst noch ein Freund der Römer ist.» Und die Frommen ärgerten sich erst recht: «Wie kann Jesus nur bei einem solchen Mann einkehren? An dessen Tisch kann doch ein Jude reinen Gewissens keinen Bissen zu sich nehmen. Der denkt bestimmt nicht daran, die Speisegesetze zu beachten.»

Zachäus liess ein Festessen zubereiten und bewirtete Jesus und seine Schüler voller Stolz. Zusammen essen und trinken, das sind Zeichen der Freundschaft. Und Freundschaft hatte Zachäus schon lange nicht mehr erlebt. Niemand wollte sein Freund sein. Jesus war der Erste, der sich nicht darum kümmerte, was die Leute über Zachäus sagten. Er war der Erste, der ihm anbot, was er am allernötigsten hatte und das mit keinem Geld der Welt zu kaufen ist: Vertrauen und Zuneigung. So glücklich war Zachäus schon lange nicht mehr gewesen in seinem Leben!

Und da passierte etwas mit Zachäus. Es war, als hätte ihm Jesus die Augen geöffnet. Er konnte sehen, was er falsch gemacht hatte in seinem Leben und was er ändern wollte und auch ändern konnte. Gerade darum, weil Jesus ihn nicht verurteilt hatte. Weil er sich nicht verteidigen musste, sich nicht rechtfertigen musste, diesem Jesus gar nichts vormachen musste. Er sagte zu ihm: «Was ich unrechtmässig einkassiert habe, das will ich zurückgeben. Die Menschen, die ich erpresst habe, will ich vierfach entschädigen. Und die Hälfte meines Vermögens werde ich den Armen geben.» Und Jesus antwortete: «Das wollen wir jetzt ordentlich feiern. Heute ist deinem Haus grosses Glück widerfahren. Jetzt weisst du wieder, dass du zu den Kindern Abrahams und zu Gottes Volk gehörst und weisst auch, was das bedeutet. Jetzt verstehst du, wozu Gott mich in die Welt gesandt hat: Ich soll die suchen und retten, die verloren gegangen sind.»

Am nächsten Tag zog Jesus mit seinen Schülern weiter nach Jerusalem hinauf, wo er bald darauf gefangen genommen, verurteilt und gekreuzigt werden sollte. Daran war nicht allein der Besuch im Haus von Zachäus schuld, aber vielleicht auch – er hatte sich damit sicher keine Freunde gemacht. Aber Zachäus war von da an ein anderer Mensch. Er hielt seine Versprechungen. Denn wäre es bei den blossen Worten geblieben, die er an dem festlichen Abend zu Jesus gesagt hatte, dann hätte wohl niemand etwas bemerkt und die Geschichte wäre nicht erzählt worden. Jetzt aber lachten die Leute, wenn sie ihn sahen, den kleinen Mann, der auf den Baum geklettert war und grüssten ihn freundlich, und er nahm Anteil an den Sorgen seiner Nachbarn und unterstützte die Bedürftigen. Und wer immer wissen wollte, was mit ihm geschehen war, dem sagte er: «Ich habe Gottes Freundlichkeit erfahren. Die hat aus mir einen glücklichen Menschen gemacht.»

Die Geschichte von Zachäus ist nachzulesen im Lukasevangelium, Kapitel 19.

Z wie Zehn Gebote

Gibt es Gebote, also feste Regeln bei dir zu Hause? Oder Verbote? Wie weisst du, was man nicht darf und was man unbedingt muss und sonst gibts Ärger?

Gebote gibt es überall, es gibt Hausordnungen, Schulordnungen, Spitalordnungen, es gibt Anstandsregeln und Verkehrsregeln und sie alle sind dazu da, dass es keine unnötigen Zusammenstösse gibt und dass man miteinander aus- oder wenigstens friedlich aneinander vorbeikommt.
Aber dass uns jetzt auch Gott noch Gebote gibt, das mögen wir eigentlich nicht so besonders, oder?

Gottes Gebote, auch seine Verbote, wollen Menschen allerdings nicht einengen, sondern frei machen. Beispielsweise das Gebot, am siebten Tag der Woche nicht zu arbeiten. Wir sollen also auch einmal ausruhen. Alles andere wäre doch gar kein Leben! Und auch kein Zusammenleben, wenn man nicht auch einmal Zeit hätte nichts zu tun, zu spielen, zu reden miteinander.

Gottes Gebote dienen dem Leben. Man kann sie aber, wie alle Gebote, missachten und übertreten. Leider tun wir das ja auch immer wieder. Vordergründig zum eigenen Vorteil, aber ziemlich offensichtlich auf Kosten von anderen und zum Schaden aller Menschen. «Du sollst nicht lügen.» «Du sollst nicht stehlen.» «Du sollst nicht töten.» Die Menschen würden alle besser leben und zusammenleben, wenn sie nur schon diese drei Gebote einhalten würden, nicht wahr?

Wenn wir noch klein sind, sagen uns andere, was gut und recht ist, und wir müssen gehorchen, den Eltern, dem Lehrer, den Erwachsenen überhaupt. Wenn wir älter werden, wollen wir selbst entscheiden, was gut und recht ist und nicht mehr einfach gehorchen. Dazu gehört dann halt auch, dass man Fehler macht und Verantwortung für sein Tun übernehmen muss. Nach seinem Gewissen handeln, eigene Entscheidungen fällen und nicht einfach nur tun und lassen, was einem gesagt wird, macht einen erwachsenen Menschen aus. Dahinter kann man eigentlich nicht zurück wollen – aber vielleicht darüber hinaus! Denn irgendwann sind die meisten Menschen sich selbst nicht genug und wollen nicht nur das eigene Gewissen zum alleinigen Massstab ihres Tuns machen. Hören auf andere, «gehorsam sein», sich ein und vielleicht auch einmal unterordnen können, ist alles Ausdruck menschlicher Reife und wahrer Freiheit. Nichts und niemanden über sich anzuerkennen hingegen, ist nichts als «heilige» Willkür und purer Egoismus, indem ich mich selbst, meine Interessen, meine Ideale, meine Vorstellungen über alles und alle stelle. Und eben dagegen wendet sich das erste der Zehn Gebote. Es heisst: «Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.»

Und weil diese Zehn Gebote nicht nur das Fundament der jüdischen, sondern auch der christlichen Glaubensgemeinschaft und unseres Zusammenlebens überhaupt sind, lohnt es sich auch, sie alle zu kennen:

I Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
II Du sollst dir kein Gottesbild machen.
III Du sollst den Namen deines Gottes nicht missbrauchen.
IV Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heilig haltest.
V Du sollst nicht töten.
VII Du sollst nicht ehebrechen.
VIII Du sollst nicht stehlen.
IX Du sollst nicht falsches Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
X Du sollst nicht begehren nach irgend etwas, was dein Nächster hat.

 

Wenn wir schon bei den Geboten sind: Jesus ist einmal gefragt worden, welches denn das wichtigste Gebot sei in der ganzen Bibel. Er hat geantwortet:

«Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand. Dies ist das höchste und erste Gebot. Das zweite aber ist ihm gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.»

Noch kürzer hat es der Kirchenvater Augustinus formuliert: «Liebe und dann tue, was du willst.»

Die Zehn Gebote, hier zitiert nach dem Evangelisch-reformierten Gesangbuch, Nr. 781, sind in voller Länge nachzulesen im Zweiten Buch Mose, Kapitel 20, und im
Fünften Buch Mose, Kapitel 5. Das von Jesus genannte «höchste Gebot» steht im Matthäusevangelium, Kapitel 22,37–40.