P

P WIE PETRUS UND PAULUS
P WIE PAPST
PÄPSTE SIND DIE NACHFOLGER VON PETRUS.
ES GAB AUCH PÄPSTE, DIE PAULUS HIESSEN.
PROTESTANTEN HABEN KEINEN PAPST.
ZU IHNEN PASST DER GÜGGEL IM P.

P wie Petrus und Paulus

Kannst du dir vorstellen, dass es vor fünfzig Jahren noch kein Handy gab, kein Smartphone, mit dem man sich schnell ein Foto oder eine SMS schicken konnte? Kannst du dir vorstellen, dass vor 100 Jahren die meisten Leute überhaupt noch kein Telefon hatten, keinen Fotoapparat, kein Radio und keinen Fernseher und auch kein Auto? Kannst du dir vorstellen, dass es vor hundertfünfzig Jahren noch kaum Eisenbahnen gab, von Flugzeugen gar nicht zu reden? Kannst du dir vorstellen, wie die Menschen damals gereist sind oder einander eine Mitteilung geschickt haben? Sie waren zu Fuss unterwegs, vielleicht auch auf einem Esel, oder wenn sie Geld hatten auf einem Pferd oder einem Pferdewagen. Und sie haben Briefe geschrieben und diese Briefe Boten übergeben, die sie an ihren Bestimmungsort brachten. Das konnte dann ein paar Wochen dauern. Es ist noch gar nicht so lange her, da war es nicht derart einfach, Nachrichten zu verbreiten und mit Menschen in Kontakt zu stehen, die nicht am selben Ort leben.

Boten waren natürlich Vertrauensleute. Wenn ein Feldherr seinem König den Sieg oder die Niederlage seiner Armee melden wollte, schickte er einen Boten. Wenn am Königshof ein Thronfolger geboren wurde, wurden Boten ausgeschickt, um die gute Nachricht im ganzen Reich zu verbreiten. Aber auch andere Botschaften wurden dem Volk von Boten überbracht: Steuererlasse oder Aufrufe zum Kriegsdienst. So war das zur Zeit von Jesus und so war das viele Jahrhunderte lang.

Auch das Evangelium, auf Neudeutsch «Good News», die gute Botschaft von Jesus Christus wurde von Boten in die Welt hinausgetragen. In der Bibel und in der Kirche werden sie mit dem griechischen Wort für Boten Apostel genannt, weil Griechisch damals die Sprache war, die jeder verstand, so wie heute Englisch. Apostel sind nichts anderes als die Boten von Jesus Christus. Von denen gab es viele, Männer und Frauen, solche, die man mit Namen kennt und unbekannte. Die berühmtesten beiden sind Petrus und Paulus. Alle Boten hatten denselben Auftrag. Aber sie haben ihn ganz verschieden ausgeführt.

Petrus gehörte zu den ersten Jüngern von Jesus. Er war ein Fischer, wohnte in Galiläa, in einer kleinen Stadt namens Kafarnaum, er hatte eine Familie und ein Boot am See Gennesaret. Eigentlich hiess er gar nicht Petrus, sondern Simon. Den Namen Petrus hat er von Jesus bekommen. Jesus traf ihn beim Flicken der Netze am Ufer. Er wollte ihn als Schüler gewinnen und sagte zu ihm: «Du bist ein Fischer – und jetzt sollst du auch noch ein Menschenfischer werden!» Einer, der Menschen rettet. Der sie aus dem Wasser zieht, damit sie nicht ertrinken. Später einmal sagte er zu ihm: «Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen!» (Matthäus 16,18) Der Name Petrus bedeutet: der Fels. Die Kirche gab es ja noch gar nicht zur Zeit von Jesus. Und ausgerechnet Petrus sollte zu ihren Begründern gehören, nachdem Jesus gestorben, oder vielmehr: nachdem er auferstanden war!

Dieser Petrus war allerdings gar kein so unerschütterlicher und felsenfester Botschafter von Jesus. In entscheidenden Augenblicken hat er es immer wieder mit der Angst zu tun bekommen. Gerade auch in jener schwersten Stunde, als Jesus mitten in der Nacht verhaftet wurde. Petrus folgte ihm bis zum Palast des Hohepriesters, wo Jesus verhört werden sollte. Als dann das Tor hinter ihm ins Schloss fiel, blieb Petrus draussen im Hof und zitterte. Da sassen ein paar Nachtwächter um ein Feuer herum und er wollte bei denen warten und sich wärmen. Da trat eine Magd hinzu, sprach ihn an und sagte: «Gehörst du etwa zu den Jüngern dieses Jesus, der eben abgeführt worden ist?» «Den kenne ich nicht», sagte Petrus. «Aber du bist doch auch ein Galiläer, das hört man doch.» «Galiläer gibt es viele, ich kenne diesen Jesus nicht.» «Was sitzt du denn hier herum und wartest?» «Lass mich in Ruhe, man wird wohl das Recht haben, sich ein wenig aufzuwärmen, ich kenne diesen Jesus nicht», sagte Petrus zum dritten Mal. Da krähte ein Hahn! Siedend heiss fiel Petrus wieder ein, wie Jesus abends bei Tisch gesagt hatte, dass ihn noch in dieser Nacht alle seine Jünger im Stich lassen würden. «Ich niemals!», hatte er da gerufen, aber gerade zu ihm hatte Jesus gesagt: «Ach, Petrus. Noch ehe morgen der Hahn krähen wird, wirst du mich schon dreimal verleugnet haben!» Lauter als der Hahnenschrei hallten jetzt diese Worte in den Ohren von Petrus nach. Er ging weg vom Feuer und stürzte in die Nacht hinaus und weinte bitterlich.

Trotzdem ist genau dieser Petrus einer der ersten Zeugen der Auferstehung von Jesus geworden und einer der treusten Apostel des Auferstandenen bis zu seinem eigenen Tod. Er soll übrigens in Rom gestorben sein, von römischen Soldaten gekreuzigt wie Jesus selbst und wie viele andere von den ersten Christen, mit dem Kopf nach unten noch dazu. Dort, wo heute der Petersdom steht, der Jahrhunderte später erbaut worden ist, vermutet man sein Grab. Und nach ihm, dem ersten Bischof von Rom, dem Vorgänger aller Päpste der römischen Kirche, ist der Dom deshalb auch benannt worden.

Paulus ist es nicht viel besser ergangen. Auch er ist vermutlich in Rom hingerichtet worden. Es war keine harmlose Sache, ein Apostel von Jesus Christus zu sein!

Petrus und Paulus haben sich übrigens persönlich gekannt. Petrus war der Erste unter den Aposteln und die unbestrittene Autorität in der Gemeinde von Jerusalem, dem Ursprungsort der christlichen Kirche. Paulus hingegen rühmte sich, der Letzte der Apostel zu sein! Er hatte ohnehin eine merkwürdige Art, sich zu rühmen, dieser Paulus. Er lobte nämlich niemals seine Stärken, sondern im Gegenteil seine Schwächen. Er soll keine beeindruckende Erscheinung gewesen sein und kein guter Redner und ausserdem hatte er eine Krankheit, für die er sich schämte. Er gehörte nicht zum Kreis der Jünger von Jesus wie Petrus, er hat Jesus vor seinem Tod nie kennengelernt, im Gegenteil: Er wollte ihn gar nicht kennenlernen. Er gehörte anfänglich sogar zu den schärfsten Gegnern der Jünger und der ersten Christen. Saulus, wie er in der jüdischen Gemeinde genannt wurde, war nämlich ein Studierter, ein Gelehrter, ein Mann, der die heiligen Schriften kannte und mehrere Sprachen sprach und zudem ein ganz frommer Jude. Nicht dass die Jünger und die ersten Christen keine frommen Juden gewesen wären, aber eben solche, die glaubten, dass Jesus der verheissene Retter, der langersehnte Messias sei, Christus, Herr der Welt. Saulus sah das anders und verteidigte das jüdische Glaubensbekenntnis: Gott allein ist der Herr der Welt! Er wollte die Christusanhänger aus den Synagogen hinauswerfen. Das war ursprünglich der Zweck seiner Reisen in die verschiedensten Städte, wo er die jüdischen Gemeinden besuchte. Doch gerade da geschah es – auf dem Weg nach Damaskus, wo er ebenfalls für Ordnung sorgen wollte, weil es dort so viele dieser Jesusanhänger gab –, dass ihm etwas passierte, das sein ganzes Leben veränderte. Er hat in seinen Briefen einige Male davon gesprochen, aber immer nur sehr zurückhaltend. Es gibt ja Erfahrungen, die kann man eigentlich gar nicht in Worte fassen, obwohl sie einen «umhauen», ganz buchstäblich. Momente im Leben, in denen einem etwas Entscheidendes aufgeht, weil man erfasst wird von einer Wahrheit, die man gar nicht gesucht hat, von der man gar nichts hat wissen wollen …

Saulus, unterwegs auf der Strasse nach Damaskus, ging es so: Vor den Toren der Stadt wurde er plötzlich zu Boden geworfen, geblendet von einem ganz hellen Licht und erschreckt von einer Stimme, die ihm zurief: «Saul, Saul, warum verfolgst du mich?» Er wusste nicht, wie ihm geschah und fragte: «Wer bist du?» Wieder vernahm er die Stimme: «Ich bin Jesus, den du verfolgst. Steh auf, geh in die Stadt, dort wird man dir sagen, was du zu tun hast.» Aber Saulus konnte nach diesem Sturz gar nicht mehr allein aufstehen, denn das Licht hatte ihn so geblendet, dass er fast blind war. Seine Begleiter mussten ihm helfen und ihn nach Damaskus hineinführen. Dort blieb er, ass nicht und trank nicht und konnte nichts sehen, drei Tage lang. Erst als ein Mann, er hiess Ananias, ein Christusgläubiger, zu ihm kam und ihm die Hände auflegte, konnte er wieder sehen. Ananias sagte zu ihm: «Saul, mein Bruder, der Herr schickt mich zu dir, Christus, der dir erschienen ist auf dem Weg nach Damaskus. Du sollst wieder sehen und erfüllt werden vom Heiligen Geist.» Und sogleich fiel es Saulus wie Schuppen von den Augen und er stand auf und liess sich taufen. Danach ass er und kam wieder zu Kräften.

So ist Saulus zum Christen geworden, den wir Paulus nennen. Ein Jude ist er geblieben und weiterhin von Synagoge zu Synagoge gereist, aber nicht mehr, um die Christen daraus zu vertreiben, sondern um seinen Glaubensbrüdern die Augen zu öffnen, wie sie ihm geöffnet worden waren. Dafür hat er an manchen Orten viel einstecken müssen, Schläge, Spott und Hohn, einmal hat man ihn sogar mit Steinen aus einer Stadt vertrieben. Aber nichts hat ihn davon abhalten können, das Evangelium von Jesus Christus weiter zu verkünden, den Juden zuerst, aber auch allen anderen, die keine Juden waren. Alle sollten hören, dass jeder Mensch ein Kind Gottes ist, ein Kind des himmlischen Vaters, zu dem Jesus alle hinführen will. Alle sollten hören, dass nichts uns trennen kann von dieser Liebe Gottes, die in Jesus Gestalt angenommen hat – nichts, keine Krankheit und kein Leiden, weder Unrecht noch Gewalt, nicht einmal der Tod. All dies ist überwunden durch den, der mit uns und für uns gelitten hat, gestorben und auferweckt worden ist und lebt und allezeit bei uns ist. Paulus war sein Leben lang unermüdlich für diesen Glauben unterwegs, gründete und besuchte viele Gemeinden: Bis nach Rom ist er gekommen, bis ans Ende der Welt wollte er fahren, denn mit der ganzen Welt wollte er seine Hoffnung teilen, dass Jesus wiederkommt. Das war sein inständiges Gebet: Komm, Herr Jesus, bald!

Petrus und Paulus sind noch heute in vielen Kirchen anzutreffen, auf Glasfenstern oder Wandbildern. Man erkennt sie sofort: Petrus mit krausem Haar und mit einem Schlüssel in der Hand, Paulus mit Stirnglatze und einem Buch – Hinweise auf ihre ganz unterschiedlichen Begabungen und Aufgaben. Petrus und Paulus, keine Heiligen, sondern zwei gewöhnliche Menschen mit vielen Stärken und vielen Schwächen. Zwei aussergewöhnliche Apostel, oft im Konflikt miteinander – Petrus war zum Beispiel nicht so glücklich darüber, dass Paulus den nichtjüdischen Heiden in den jungen Christengemeinden Tür und Tor öffnete. Aber beide waren berufen, das Evangelium zu verkünden!

Und so ist es bis heute: Noch immer gibt es in der Kirche unterschiedliche «Apostel» und Autoritäten und viele Konflikte, verschiedene Stimmen und Traditionen. Es gibt ja auch vier Evangelien und nicht nur eines – und trotzdem ist es eine Kirche, weil und solange sie einen Herrn hat, Jesus Christus. Entscheidend ist nicht, ob wir katholisch oder evangelisch reformiert sind oder einer anderen Kirche angehören und es ist auch nicht schlimm, dass wir manchmal miteinander streiten. Entscheidend ist, dass wir bereit sind, auf Christus zu hören. Dadurch werden wir zu Brüdern und Schwestern im Glauben. Das ist es, was Petrus und Paulus und alle Apostel uns weitergegeben haben und was auch wir weitersagen sollen.

Die Geschichte von Petrus und seiner Verleugnung ist nachzulesen in den Passionserzählungen aller vier Evangelien: Markusevangelium, Kapitel 14,66f.; Matthäusevangelium, Kapitel 26,69f.; Lukasevangelium, Kapitel 22,56f.; Johannesevangelium, Kapitel 18,15f.

Die Geschichte von der Berufung des Paulus ist nachzulesen in der Apostelgeschichte, Kapitel 9, und Anspielungen darauf gibt es in verschiedenen seiner Briefe, z. B. im Brief an die Galater, Kapitel 12,1f.

P wie Paradies

Gewiss hast du eine Ahnung, was das Paradies ist. Du weisst, was ein Ferienparadies ist und was ein Kinderparadies ist und vielleicht weisst du auch, wie ein Paradiesvogel aussieht? Im Paradies gibt es alles, was Menschen Freude macht. Davon wird in den allerersten Kapiteln der Bibel erzählt:

Bevor Gott die Menschen geschaffen hat, hat er auf der Erde einen Garten angelegt. Er hat das Meer in seine Schranken gewiesen und das trockene Land mit Flüssen und Bächen durchzogen, dass es grün wurde und Blumen und Früchte hervorbrachte; er hat ein schützendes Himmelszelt darüber ausgespannt und die grossen und kleinen Lichter am Himmel – Sonne, Mond und Sterne – auf ihre Bahnen gesetzt. Und erst dann, als alles bereit war, hat er Menschen gemacht. Gott nahm etwas Lehm von der Erde und knetete daraus Adam. Weil der Erdboden auf Hebräisch adama heisst, darum heisst das Geschöpf, das aus adama gemacht ist eben Adam. Ein Erdling. Dann blies ihm Gott von seinem Atem in die Nase und hauchte ihm Leben ein. So wurde aus Adam ein lebendiger Mensch!

Aber Adam fühlte sich nur als halber Mensch. Eigentlich fehlte ihm nichts, es war alles da, was er brauchte. Gleichzeitig fehlte ihm alles, das Wichtigste, ein Gegenüber, ein anderer Mensch zum Reden, zum Anfassen, zum Liebhaben. Gott machte viele Tiere, die um ihn waren, die ihm Milch und Wolle gaben und ihn reiten liessen und manche waren auch ganz zutraulich und verspielt. Aber das genügte Adam nicht. Da liess Gott ihn in einen tiefen Schlaf fallen und nahm eine Rippe aus seiner Seite und formte daraus noch einen Menschen, eine Frau. Als Adam erwachte und sie sah, war seine Freude gross. «Endlich eine wie ich», rief er. Von da an war er zusammen mit der Frau im Paradies, in dem es alles gibt, was Menschen Freude macht.

Es gab allerdings in diesem Garten mit seinen wunderbaren Bäumen und Früchten aller Art einen Baum, von dem Gott Adam gesagt hatte: «Von dem darfst du nicht pflücken.» Gott nannte ihn den Baum der Erkenntnis und sagte: «Die Früchte dieses Baumes sind verboten. Wenn du von diesen Früchten isst, musst du sterben.»

Aber was verboten ist, macht ja auch neugierig, nicht wahr? Eines Tages, als Adam und seine Frau unter genau diesem Baum ihr Mittagschläfchen hielten, hörten sie es im Laub rascheln. Die Frau blinzelte ein wenig und sah eine schöne Schlange zwischen den Blättern und vernahm ein Zischeln: «Hat Gott wirklich gesagt, ihr dürft von keinem Baum im Garten essen?» Da sagte die Frau: «Von den Früchten aller Bäume im Garten dürfen wir essen. Nur von den Früchten des einen Baums hier in der Mitte des Gartens hat Gott gesagt: ‹Ihr dürft nicht davon essen und sollt sie nicht anrühren, sonst müsst ihr sterben›.» Da sagte die Schlange: «Ihr werdet gar nicht sterben! Aber Gott weiss, dass euch die Augen aufgehen werden und ihr sein werdet wie er und Gut und Böse erkennen werdet, sobald ihr davon esst.» Da dachte die Frau bei sich, dass das doch gut wäre … Und die Paradiesäpfel erschienen ihr auf einmal viel verlockender als alle anderen Früchte der übrigen Bäume im Garten. So nahm sie sich einen und ass ihn und auch Adam gab sie davon. Die Frucht war süss und bitter zugleich und tat ihre Wirkung: Sie öffnete den beiden die Augen. Zum ersten Mal schämten sie sich, dass sie nackt waren. Und sie machten sich Schurze aus Blättern des Feigenbaums.

In der Abendkühle ging Gott in seinem Paradiesgarten spazieren. Er rief: «Adam, wo bist du?» Adam und seine Frau versteckten sich in einem Gebüsch und hofften, nicht entdeckt zu werden. Gott suchte und rief sie wieder, und als er keine Antwort bekam, wurde er schliesslich ungeduldig: «Mensch, wo bist du?» Da kamen die beiden aus ihrem Versteck heraus und Adam sagte: «Wir haben uns geschämt, weil wir nackt sind. So wollten wir nicht vor dir erscheinen.» Da sagte Gott zu ihm: «Wer hat euch gesagt, dass ihr nackt seid? Habt ihr etwa von dem verbotenen Baum gegessen?» Adam sagte: «Nicht ich, die Frau hat die Frucht gepflückt und mir davon gegeben.» Und die Frau sagte: «Die Schlange hat mich getäuscht, so dass ich nicht widerstehen konnte.»

Ja, und damit war es aus mit dem Paradies. Gott verfluchte die Schlange und trieb die beiden ersten Menschen aus seinem Garten hinaus, schickte sie in die Wüste voller Disteln und Dornen. Er schloss das Tor und an den Eingang zum Paradies stellte er einen Engel mit einem flammenden Schwert, der dafür sorgte, dass keiner mehr zurückkam, weder Adam noch seine Frau noch deren Kinder und Nachkommen bis auf den heutigen Tag. Seither müssen die Menschen hart arbeiten: die Erde gibt ihnen die Nahrung, die Tiere geben ihre Milch und Wolle nicht mehr umsonst. Adams Frau bekam den Namen Eva, das bedeutet: die, die Leben schenkt, denn sie wurde Mutter vieler Kinder. Aber sie musste diese unter grossen Schmerzen zur Welt bringen. Ihre Nachkommen vermehrten sich und wurden immer zahlreicher auf Erden. Es begann der Kampf ums Überleben und so wurden sie einander zu Feinden, das Tier dem Menschen, vor allem aber der Mensch dem Tier und nicht zuletzt der Mensch dem Menschen. Wir leben definitiv nicht mehr im Paradies, wo wir Gott in der Abendkühle auf einem Spaziergang begegnen. Aber es gibt in uns allen die grosse Sehnsucht nach dem Paradies, nach Frieden auf Erden und nach einer Welt, in der jeder Mensch seine Bedürfnisse stillen kann. Und es gibt Gott sei Dank auch Augenblicke im Leben, in denen der Engel sein feuriges Schwert sinken lässt und das Tor zum Paradies einen Spalt weit öffnet, dass wir einen Blick hineinwerfen können … Kennst du solche Glücksmomente?

Nachzulesen ist die Paradiesgeschichte im Ersten Buch Mose, Kapitel 2 und 3.