U

U WIE URTEIL
URTEILE MÜSSEN RECHT SCHAFFEN.
URTEILE MÜSSEN UNRECHT VERMEIDEN.
KÖNIG SALOMOS URTEIL WAR WEISE:
ER WAR UNBESTECHLICH UND HÖRTE
AUF GOTT.

U wie das Urteil Salomos

König Salomo liebte das Recht, den Frieden und die Frauen. Sein Vater David hat viele Kriege geführt. Salomo hat für Frieden gesorgt. Er hat seinem Namen Ehre gemacht, denn der Name Salomo bedeutet Frieden und Wohlergehen. Er hat einen prächtigen Palast und den ersten Tempel in Jerusalem erbauen lassen. Er hat klug regiert und das Reich gut verwaltet. Das ist eine schwierige Aufgabe. Salomo hatte Respekt davor und als junger König bat er Gott nur um eines: «Gib mir ein weises und verständiges Herz, nach deinen Geboten zu regieren, damit Recht und Gerechtigkeit im Land herrschen und nicht Willkür und Gewalt.»

Unter König Salomo ging es dem Volk Israel gut. Es gab natürlich auch Streit und Probleme wie überall, wo Menschen zusammen leben und miteinander auskommen müssen. Aber man konnte seine Klagen vor den König bringen und darauf zählen, dass Salomos Urteil gerecht war. Denn er, der König, war der oberste Richter. Aber einer, der noch einen anderen, den höchsten Richter über sich anerkannte.

Einmal kamen zwei Frauen zu ihm, die sich um ein Baby stritten. Die eine klagte die andere an und sagte: «Wir wohnen im gleichen Haus. Ich habe vor ein paar Tagen ein Kind geboren, und zwar das Baby, das die da jetzt im Arm hat und behauptet, es sei das ihre. Drei Tage nachdem meins zur Welt gekommen ist, hat auch sie geboren. Ich habe ihr bei der Geburt geholfen und ihr das Kind an die Brust gelegt. Es war ebenfalls ein Knäblein. In der ersten Nacht nach seiner Geburt ist es jedoch gestorben, wahrscheinlich hat sie es im Schlaf erdrückt. Da hat sie mitten in der Nacht, während ich schlief, mein Kind aus der Wiege geholt und an seiner Stelle ihr totes Baby hineingelegt. Als ich am Morgen erwachte und mein Kind stillen wollte, sah ich, dass es tot war. Als ich es heraushob, merkte ich jedoch gleich, dass es gar nicht mein Kind war.» Da fiel ihr die andere Frau ins Wort und sagte: «Nein, so ist es nicht. Das Baby in meinen Armen ist mein Kind. Es war ihr Kind, das gestorben ist. Man legt ja ein Neugeborenes auch nicht in eine Wiege. Sie hätte es an ihrem Körper wärmen sollen. Sie hat es einfach nicht genug lieb gehabt.» Und sofort begannen beide Frauen sich gegenseitig zu beschuldigen und anzuschreien und an dem Kind zu zerren und jede versicherte Salomo: «Mein Kind lebt. Das Tote war das der anderen. Gib mir mein Kind zurück. Mein Kind ist das Kind, das lebt.»

Was sollte der König tun? Man sieht einem drei Tage alten Säugling nicht an, wem er ähnlich ist. Auch Zeugen gab es in dem Fall keine. Fragte er die Mutter mit dem Baby: «Ist das dein Kind?», so schluchzte die andere: «Nein, das ist meins.» Fragte er die andere: «Ist dein Kind gestorben?», so schrie die erste: «Sie hat ihr Kind erdrückt.» Da stand König Salomo auf und sagte zu seinen Wachen: «Holt mir mein Schwert.» Sofort brachte man dem König das Schwert. Er hatte gehofft, es niemals mehr brauchen zu müssen. Jetzt aber sprach er: «Ich will das Kind in zwei Hälften teilen und jede von euch soll eine Hälfte kriegen, weil wir nicht mit Sicherheit sagen können, welcher der beiden Mütter es wirklich gehört und keiner Unrecht tun wollen.» Da schrie die eine der Mütter voller Verzweiflung laut auf: «Nein, tu das nicht. Lieber soll die andere mein Kind bekommen, als dass es stirbt.» Weinend warf sie sich dem König zu Füssen. Die andere aber sagte zu ihr: «Geschieht dir recht, wenn es stirbt, das ist die Strafe dafür, dass du mir mein Kind wegnehmen wolltest. Nun wird es weder dir noch mir gehören.» Da legte König Salomo das Schwert weg, half der weinenden Frau zu seinen Füssen auf und sagte zu den Wachen: «Sie ist die Mutter. Führt die andere hinaus und gebt mir das Kind.» Und er legte es ihr eigenhändig in die Arme.

Im ganzen Land verbreitete sich die Nachricht von diesem Urteil wie ein Lauffeuer und alle Leute verehrten den grossen König Salomo, der voller Weisheit für Gerechtigkeit sorgte. Salomo aber bildete sich nichts auf seine Weisheit ein. Er wusste, dass sie Gottes Gabe war. Ein Gabe, die jeder empfangen kann, der sich nicht selbst zum Richter über andere macht, sondern weiss, dass er einen Richter über sich hat, der ihn lehrt, was Recht und was Unrecht ist. Recht ist, was Menschen hilft und dem Leben dient. Unrecht ist, was Menschen schadet und Leben zerstört. So einfach ist das? Ja, so einfach und doch immer wieder so schwierig.

Die Geschichte vom salomonischen Urteil ist nachzulesen im Ersten Buch der Könige, Kapitel 3.

U wie unser Vater

Das Unservater ist das Gebet, das alle Christen miteinander verbindet, weil es das Gebet von Jesus ist. Mit diesen Worten hat er selbst seine Jünger beten gelehrt. Darum ist es ein besonderes Gebet. Es ist das Gebet der weltweiten Kirche.

Auch Menschen, die keine Christen sind, beten. Juden beten, Muslime beten, Buddhisten beten. Ihre Art, von und mit Gott zu reden, ist aber nicht dieselbe. Die einen knien oder sitzen, andere stehen oder verbeugen sich, falten die Hände oder erheben sie zum Himmel, viele reden, andere schweigen, wenn sie beten. Ist das wichtig? Für Gott ist das gewiss nicht so wichtig, er kann in die Herzen der Menschen sehen. Aber für uns ist es wichtig. Wie jede Sprache, so formt auch die Sprache des Gebets unser Denken und Empfinden. Das Unservater formt den christlichen Glauben. Wie man redet, hängt immer auch davon ab, mit wem man redet. Mit der Freundin redet man anders als mit der Mutter, mit dem Lehrer anders als mit dem Vater, und wenn man vor einem Richter steht, bekommt man unter Umständen den Mund gar nicht auf. Stell dir vor, wie es erst wäre, wenn du mit einem König reden müsstest. Und Gott ist doch noch viel grösser als Könige! Kann man da einfach all seine Alltagssorgen abladen oder schnell einen Wunschzettel hinlegen, damit er weiss, was wir brauchen und was er uns geben soll? Wie sollen und können wir beten?

Jesus lehrt uns, Gott einfach zu vertrauen. Natürlich dürfen wir ihm sagen, was uns am Herzen oder auf der Seele liegt. Aber es ist gar nicht immer nötig, denn Gott sieht in unsere Herzen.

Mit dem Unservater gab Jesus seinen Jüngern und den Christen eine Anleitung, wie man beten soll. Wie man mit Gott reden kann. Und nicht nur reden, sondern wie man auch ihn zu Wort kommen lässt und auf ihn hören kann – gerade in den Worten, die er selbst weitergegeben hat. Die Worte des Unservaters sind Worte, die den menschlichen Willen mit Gottes Willen in Einklang bringen und uns im Vertrauen festigen wollen. Das Unservater verbindet ja auch alle Christen auf der Welt. Mit den Brüder und Schwestern im Glauben. Diese Verbundenheit zu spüren, gibt Kraft.

Das Unservater ist ein Gebet zum Auswendiglernen. Damit man es immer und überallhin mitnehmen kann. Vielleicht braucht man es einmal ganz dringend, oben auf einem Gipfel oder unten in einem dunklen Tal des Lebens, wenn man keine eigenen Worte mehr findet, oder wenn man nicht weiss, wie man einen anderen trösten soll – das passiert auch Erwachsenen. Sie geben es nur nicht so schnell zu.

Unser Vater im Himmel.
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Die Anleitung von Jesus zum Beten ist nachzulesen in der Bergpredigt im Matthäusevangelium, Kapitel 6.