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EIN TAUSCHHANDEL UNTER PALMEN?
ODER ALLES NUR LUG UND TRUG?
TAMAR IST MUTIG UND KLUG.
SIE TÄUSCHT DEN MANN MIT DEM TURBAN.
TROTZDEM BEKOMMT SIE RECHT.
DIE BIBEL IST KEIN BUCH FÜR TUGENDBOLDE!

T wie Tamar

Tamar ist ein schöner Name. Ein schöner Name ist wie ein guter Wunsch: Das Mädchen, das diesen Namen bekommt, soll schön werden! Schön wie eine schlanke Dattelpalme. Tamar heisst: die Palme.

Es gibt in der Bibel zwei Geschichten, in denen es um eine Tamar geht. Die eine handelt von einem Mädchen, das tatsächlich sehr schön war, aber ihre Schönheit wurde ihr zum Verhängnis. Ihre Geschichte ist alles andere als schön, sondern sehr schlimm. Hier darum die andere Geschichte von der anderen Tamar. Es ist auch keine lustige Geschichte, aber eine wichtige. Tamar ist nämlich wie Rut auch eine Ur-Ur-Ur-Urgrossmutter von König David und viel später auch von Jesus. Und das kam so:

Ein Mann, er hiess Juda – nach ihm heissen seine Nachfahren: Juden – hatte drei Söhne. Als der Älteste gross genug war, suchte sein Vater eine Frau für ihn. Das war damals so, dass die Väter ihre Söhne und Töchter verheirateten. So kam die schöne Tamar in die Familie von Juda. Doch ihr junger Ehemann, Judas ältester Sohn, verstarb schon bald nach der Hochzeit. Da verheiratete Juda seinen zweiten Sohn mit Tamar, denn er wünschte sich Enkelkinder und viele Nachkommen. Aber auch dieser zweite Sohn verstarb sehr früh und Tamar war noch immer kinderlos. Den dritten Sohn wollte Juda ihr jedoch nicht mehr zum Mann geben, denn er dachte: «Diese Frau bringt Unglück! Sie hat den bösen Blick! Ich möchte nicht, dass ihretwegen auch noch mein Jüngster stirbt.» Und so schickte er Tamar, die junge Witwe, zu ihrer Mutter zurück und sagte: «Mein Jüngster ist zum Heiraten noch zu klein, du musst warten, bis er gross genug ist.» Das war nun gar nicht fein vom alten Juda, denn er wusste genau, dass eine Frau, die auf einen Mann warten musste, keinen anderen nehmen durfte, und wenn sie zu lange warten musste, keine Kinder mehr bekommen konnte. Bei sich dachte er: «Ich werde sie ewig warten lassen und meinem einzigen und letzten Sohn eine andere Frau suchen.»

Die Jahre vergingen. Tamar sass unglücklich im Haus ihrer Mutter. Und Juda bekam keine Enkelkinder. Er hatte mittlerweile jedoch andere Sorgen, denn in der Zwischenzeit war seine eigene Frau gestorben. Er hätte gerne eine neue geheiratet, aber jetzt musste auch er warten, bis das Tauerjahr um war, das verlangte damals die Sitte. Im Frühjahr nach ihrem Tod jedoch brach er auf, um seine Schafe zu scheren, die mit ihren Hirten ganz in der Nähe des Orts weideten, wo Tamar zu Hause war. Er freute sich auf die Schafschur, das war immer eine fröhliche Abwechslung. Und bei der Gelegenheit wollte er sich in der Gegend auch schon einmal nach einer Frau umsehen. Die fehlte ihm einfach.

Es kam Tamar zu Ohren, dass Juda in der Gegend war. Die Leute im Ort sagten zu ihr: «Zieh deine Witwenkleider aus und geh deinem Schwiegervater entgegen.» Tamar wusste jedoch, dass es nichts helfen würde, mit Juda zu verhandeln. Sie hatte ihn durchschaut. Sein jüngster Sohn wäre längst alt genug gewesen, aber den wollte er ihr nicht zum Mann geben. Da legte sie sich im Geheimen einen Plan zurecht. Sie machte sich schön, verschleierte sich und setzte sich an den Wegrand, an einer Stelle, an der Juda vorbeikommen musste. Und als er tatsächlich kam und das verschleierte Mädchen dort sitzen sah, packte ihn ein solches Verlangen, dass er sie auf der Stelle zur Frau haben wollte. Er konnte ja nicht wissen, dass es Tamar war, denn sie hatte ihr Gesicht verhüllt. Sie sagte zu ihm: «Was gibst du mir dafür, wenn du zu mir kommen darfst?» Er sagte: «Ich werde dir morgen ein Zicklein von meiner Herde schicken lassen.» Sie sagte: «Versprechen kann jeder. Lass mir ein Pfand hier, bis du es schickst. Gib mir deinen Siegelring und deinen Stab.» Juda gab ihr, was sie verlangte und durfte mit ihr schlafen. Am anderen Morgen zog er weiter zu seiner Herde und zur Schafschur. Und Tamar ging in ihr Dorf zurück, legte die Schleier ab und zog wieder Witwenkleider an.

Noch am selben Tag liess Juda ihr das Zicklein schicken. Aber der Knecht, der es der verschleierten Frau bringen sollte, fand sie nicht mehr. Er fragte die Leute in der Gegend: «Wo ist das Mädchen, das gestern hier am Wegrand sass und Juda bei sich aufgenommen hat?» Die Leute sagten: «Solche Mädchen, die sich auf der Strasse den Männern anbieten, gibt es keine bei uns.» Der Knecht kehrte unverrichteter Dinge wieder zu Juda zurück, ohne Siegelring und ohne Stab. Der sagte bloss: «Soll sie das Pfand behalten», und vergass sie.

Ein paar Monate später konnte man sehen, dass Tamar ein Kind erwartete. Es kam auch Juda zu Ohren, dass seine Schwiegertochter schwanger war. Die Leute sagten zu ihm: «Ist sie nicht deinem jüngsten Sohn versprochen? Vergiss es, eine Hure ist sie! Was willst du tun?» Juda sagte: «Man muss sie verbrennen, denn sie hat Schande über mich und meine Familie gebracht.» Er schickte seine Knechte ins Haus von Tamars Mutter und liess sie dort mit Gewalt herausholen und ins Gefängnis werfen. Draussen vor dem Dorf wurde ein grosser Scheiterhaufen aufgerichtet. Dann wurde Tamar hinausgeführt, um verbrannt zu werden. Viele Menschen waren gekommen, um das grausame Schauspiel mit anzusehen. Da hob Tamar vor den Augen aller Umstehenden den Stab und den Siegelring von Juda in die Höhe und sagte laut: «Der, dem dies gehört, der ist der Vater meines Kindes.»

Natürlich erinnerte sich Juda an die Nacht, die er mit der verschleierten Frau verbracht hatte und erkannte das Pfand wieder, das er ihr gegeben hatte. Da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen und er sah, dass er es war, der Unrecht getan hatte. Er rief seine Knechte zurück und sagte zu ihnen: «Lasst sie frei, ich habe ihr Unrecht getan, sie ist im Recht» Jetzt richtete sich der Spott der Leute gegen ihn, und er schämte sich sehr.

Tamar kehrte zurück ins Haus ihrer Mutter. Sie blieb weiterhin eine Frau ohne Mann. Wie hätten denn der Schwiegervater und seine Schwiegertochter heiraten können, nach allem, was geschehen war? Aber sie blieb auch als Witwe nicht eine Frau ohne Kinder. Bald nach diesen schrecklichen Ereignissen nämlich brachte sie Zwillinge auf die Welt, zwei Söhne. Und einer von den beiden wurde der Ur-Ur-Urgrossvater von David und auch von Jesus.

Nachzulesen ist diese Geschichte von Tamar und Juda im Ersten Buch Mose, Kapitel 38. Die Geschichte von der anderen Tamar steht im Zweiten Buch Samuel, Kapitel 13.

T wie Taufe

Hast du schon einmal ein besonders kostbares Papier in Händen gehabt? Wenn man es gegen das Licht hält, sieht man darin ein Zeichen. Ein Wasserzeichen. Wichtige Dokumente zum Beispiel tragen oft das Wasserzeichen des Staats, der sie ausstellt. Die Taufe ist auch so eine Art Wasserzeichen. Man macht einem Täufling ein Zeichen auf die Stirn. Ein Kreuzzeichen. Das sieht man nachher nicht mehr. Aber es bedeutet etwas, wie das Wasserzeichen auf einem Dokument. Das Leben eines Getauften gehört dem, auf dessen Namen er getauft ist. Christen gehören Christus. Darum heissen sie so.

Ein Wasserzeichen ist die Taufe, weil man zum Taufen Wasser braucht. Der Täufling wird über dem Wasserbecken im Taufstein ein wenig nass gemacht, oder, wie es in einigen Kirchen bis heute Brauch ist, ganz im Wasser untergetaucht und dann wieder herausgezogen. Im letzteren Fall sieht man direkt, worum es bei der Taufe geht: ums GerettetWerden.

Vergleichbar ist die Taufe auch mit einem Bad. Man steigt hinein, fröstelt ein bisschen und dann wäscht man alles ab, den Dreck und die ganze Müdigkeit des vergangenen Tages. Wenn man dann wieder heraussteigt, fühlt man sich wie neu geboren! Und so sollen wir uns auch fühlen, wenn wir aus der Taufe gehoben sind: wie neu geboren. Denn die Taufe ist eigentlich ein grosses Versprechen: Du wirst leben, so wie Christus lebt, der am dritten Tag vom Tod auferstanden ist. Mit ihm wirst du leben, denn zu ihm gehörst du. Auf seinen Namen bis du getauft.

Ins Bad steigen oder mindestens unter die Dusche stehen, müssen wir immer wieder, um Schmutz und Müdigkeit abzuwaschen. Die Taufe aber ist etwas Einmaliges. Denn die Welt ist kein Badehaus und kein geheiztes Schwimmbecken, schon eher ein weites und oft auch ein stürmisches Meer. Es ist nicht nur erfrischend, sondern auch gefährlich, sich da hineinzustürzen. Es braucht Mut und Vertrauen. Die Taufe begründet in uns dieses Vertrauen, dass wir nicht untergehen. Sogar wenn die Wellen einmal über uns zusammenschlagen, sogar wenn wir eines Tages sterben müssen, wissen wir unser Leben in Gottes Hand. Er wird uns herausziehen aus den tödlichen Fluten. Er wird uns auferwecken, wie er Christus auferweckt hat von den Toten. Denn ihm gehören wir.

Natürlich hast du das alles gar nicht verstehen können, falls du als Baby getauft worden bist, wie das in den meisten christlichen Kirchen der Brauch ist. Aber das macht nichts. Dazu hast du ein Leben lang Zeit. Wichtig ist, dass man dir, lange bevor du überhaupt etwas verstehen oder sagen konntest, bereits etwas versprochen hat: nämlich dass du ein Kind Gottes bist und dass dein Leben, was immer auch geschehen mag, unter seinem Segen und Schutz steht. Diese Zuversicht ist nicht nur für dich wichtig, sondern auch für deine Eltern und für deine Gotte und deinen Götti und für deine ganze Familie: Sie alle sind Menschen, die dir Geborgenheit geben, so viel sie können, die sich um dich sorgen, die dich begleiten, seit es dich gibt. Aber sie müssen dich auch eigene Wege suchen und gehen lassen, auf denen sie nicht immer bei dir sein und dich beschützen können. Das ist nicht immer einfach und manchmal haben sie vielleicht auch Angst, dass du in Gefahr oder auf Abwege geraten könntest. Darum werden Kinder getauft: Damit die ganze Gemeinde dem Täufling den Glauben bezeugen und die Tauffamilie im Glauben bestärken kann. Gott sagt Ja zu jedem und jeder Einzelnen von uns, bedingungslos, bevor wir überhaupt selbst etwas sagen und auch dann noch, wenn wir einmal gar nichts mehr sagen können. Dieses Ja müssen wir uns nicht verdienen, indem wir besonders brav, hilfsbereit, anständig oder lieb sind, und Gott nimmt es auch nicht zurück, falls wir es einmal nicht verdienen. Manchmal schmeckt vieles in unserem Leben eher nach einem Nein und das Schicksal mutet jedem und jeder von uns einiges zu, wozu wir lieber Nein sagen würden. Gerade in solchen Zeiten kann es helfen, sich immer wieder einmal an dieses geheimnisvolle Wasserzeichen, an dieses Versprechen von Gott zu erinnern, das wir bei unserer Taufe bekommen haben: Du bist mein geliebtes Kind, an dir habe ich meine Freude.