N

N WIE NOAH
N WIE NATAN
N WIE NIKLAUS
N WIE NORA
N WIE NAMEN NAMEN SIND WICHTIG.
WIE IST DEIN NAME?

N wie Noah

In jener Zeit, als Noah lebte, ging es auf der Erde drunter und drüber. Jeder schaute nur für sich und kämpfte mit Ellbogen um einen Platz auf der Sonnenseite des Lebens. So wurden die Starken und die Frechen und die Schlauen immer mächtiger und reicher, die Schwächeren immer ärmer. Stell dir eine Familie vor mit sieben Kindern beim Mittagessen. Die Mutter stellt die Schüsseln auf den Tisch. Die beiden Grossen ziehen sie zu sich und nehmen für sich die grössten Fleischstücke heraus und den Kartoffelstock geben sie schon gar nicht mehr her. Die anderen müssen sich mit dem begnügen, was die zwei noch übrig lassen, ein bisschen Spinat vielleicht. Wenn einer sich wehrt, kriegt er einen Tritt ans Schienbein. Das gibt Streit. Da müsste jetzt doch die Mutter oder der Vater einmal für Ordnung sorgen, nicht wahr?

So war es eben zur Zeit von Noah und es wurde immer schlimmer, Ungerechtigkeit und Gewalt nahmen überhand. Es gab nur noch einen, der tat, was Gott gefiel: der hiess Noah. Ihn nahm Gott eines Tages beiseite und sagte: «Hör zu und tu, was ich dir sage: Es reut mich, dass ich die Menschen gemacht habe, denn sie sind böse und tun Böses. Ich will sie alle vernichten. Mit dir will ich dann einen Neuanfang machen. Bau eine Arche, in der du und deine Familie Platz haben. Dann will ich es solange regnen lassen, bis die ganze Erde unter Wasser steht und alle ertrunken sind. Nur du und deine Familie sollen gerettet werden.» Was Noah wohl dachte über Gott? Merkwürdigerweise steht in der Bibel gar nichts davon. Auch nicht, dass er wenigstens ein Wort für die eingelegt hätte, die untergehen sollten. Vielleicht war er ja gar nicht so viel besser als jene anderen? Hauptsache, er würde davonkommen! Er machte sich sofort an die Arbeit, obwohl alle seine Nachbarn, die ihn da zimmern und hämmern sahen, dachten: Der spinnt! Warum baut einer so eine grosse Kiste – ein Schiff oder ein schwimmendes Haus vielleicht – auf dem Trockenen, wo es weit und breit kein Meer gibt? Aber so viel ihn die Leute auch mit Fragen löcherten, Noah sagte noch immer kein Wort. Er arbeitete viele Tage lang, bis die Arche fertig war: ein Riesenkasten mit vielen Kammern und winzigen Fensterluken. Der Boden und die Wände waren ganz mit Pech bestrichen, der Deckel fest verschlossen. Jetzt sagte Gott zu Noah: «Bring alle Tiere in die Arche, von jeder Art ein Männchen und ein Weibchen, denn nach der grossen Flut soll neues Leben entstehen auf der Erde.» Noah tat, wie Gott es ihm befohlen hatte. Er brachte Katzen und Kühe, Ziegen und Esel, Hasen und Rehe, Mäuse und Igel, auch Spinnen und Käfer, alles, was auf der Erde kreucht und fleucht in die Arche. Auch von den Vögeln einige, denn wenn alles unter Wasser steht, können die ja keine Nester mehr bauen. Nur die Fische, die Frösche, auch die Krokodile, die sperrte er nicht ein. Um die brauchte er sich keine Sorgen zu machen, die leben ja im Wasser. Noahs drei Söhne halfen ihm beim Einladen und seine Frau und seine Schwiegertöchter trugen Heu und Stroh in die Arche, Körner und alles, was Tiere und Menschen zum Essen brauchten. Als sich am Himmel bereits die ersten schwarzen Gewitterwolken zusammenzogen, ging Noah mit seiner Familie als Letzter selbst in die Arche hinein. Und dann begann es zu regnen wie aus Kübeln, und es hörte gar nicht mehr auf, vierzig Tage lang. Die Flüsse schwollen an und begannen die Felder und die Strassen zu überfluten, bald waren alle Keller, dann die ganzen Häuser überschwemmt. Die Menschen waren verzweifelt, sie bauten sich Flosse, aber es nützte alles nichts, die Flut stieg und stieg und hob die Arche höher und höher, bis sie sogar über die Berge hinausgetragen wurde. Nach hundertfünfzig Tagen ragte kein einziger Gipfel mehr aus der Flut heraus und man konnte von der Erde überhaupt nichts mehr sehen. So lange Zeit mussten Noah und seine Familie mit all den Tieren in dem dunklen Kasten hocken. Wahrscheinlich hat es da drin gestunken wie im Raubtierhaus im Zoo oder im Schweinestall auf dem Bauernhof. Gott sei Dank hörte es dann endlich einmal auf zu regnen, es kam ein Wind auf und das Wasser begann langsam zu sinken. Immerhin konnte man in der Arche jetzt die kleinen Fensterchen wieder aufmachen und, als die ersten Bergspitzen wie kleine Inseln aus dem Meer auftauchten, auch wieder Hoffnung schöpfen. Nach weiteren sechzig Tagen setzte die Arche endlich am Boden auf, irgendwo am Berg Ararat. Doch man konnte noch lange nicht hinausgehen, die Erde war immer noch nass und voller Schlamm. Nach weiteren vierzig Tagen liess Noah eine Taube fliegen. Er wollte wissen, ob sich schon ein Baum fände, auf dem sie sich niederlassen könnte. Aber das Wasser hatte sich noch nicht so weit verlaufen und die Taube kehrte zu Noah zurück. Noah streckte die Hand aus und nahm sie wieder in die Arche hinein. Nach weiteren sieben Tagen liess er sie ein zweites Mal fliegen. Um die Abendzeit kehrte sie auch diesmal zurück. Sie trug einen frischen Olivenzweig in ihrem Schnabel. Das war ein gutes Zeichen: Jetzt wusste Noah, dass die Bäume wieder grün geworden waren. Er wartete noch einmal sieben Tage und dann machte er endlich die Tür der Arche auf. Fast ein Jahr waren er und seine Familie und alle Tiere in dieser Kiste gefangen gewesen. Ziemlich bleich und erschöpft taumelten sie hinaus und es brauchte seine Zeit, bis sie sich wieder ans Sonnenlicht gewöhnten.

Als Erstes baute Noah einen Altar, weil er ein Opfer bringen und Gott für die Rettung danken wollte. Als Gott das Räuchlein aufsteigen sah, tat es ihm auf einmal leid um seine Menschen, von denen er so viele hatte sterben lassen. Er dachte bei sich selbst: «Die Menschen sind gut und böse zugleich, doch will ich nie wieder tun, was ich getan habe. Solange die Erde besteht, sollen nie wieder aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.» Und zu Noah sprach er: «Ich schliesse einen Bund mit dir und mit deinen Nachkommen, mit den Tieren und all meinen Geschöpfen und verspreche: Nie wieder soll eine solche Sintflut über die Erde kommen, die das Leben vernichtet. Zum Zeichen dieses Bundes stelle ich meinen Bogen in die Wolken. Wenn ich Regen aufziehen lasse und der Regenbogen in den Wolken erscheint, will ich mich an mein Versprechen erinnern: Nie wieder!» Dann segnete Gott Noah und seine Familie und sagte zu ihnen, wie er ganz am Anfang der Schöpfung zu seinen Geschöpfen gesagt hatte: «Seid fruchtbar und mehrt euch!» Und er freute sich, dass das Leben wieder zu blühen begann und Noah Enkel und Urenkel bekam und die Erde wieder von Menschen bewohnt und bebaut wurde.
Das ist die Geschichte von Noah. Von ihm selbst hören wir in der ganzen Geschichte allerdings keinen Ton. Er sagt nie ein Wort. Gott spricht mit ihm. Aber er spricht nicht mit Gott. Er hat es in der Tat auch mit einem etwas unheimlichen Gott zu tun, selbst wenn der ihn rettet. Bleibt er deswegen so stumm?

Von Überlebenden anderer grosser Menschheitskatastrophen, die nicht wissen, warum gerade sie gerettet wurden, während alle Übrigen um sie herum ums Leben kamen, kennt man das. Sie sind vielleicht dankbar, dass sie davongekommen sind und können sich trotzdem ihres Lebens nie mehr so richtig freuen. Zu viele ihrer Fragen bleiben ohne Antwort! Zu gross ist die Trauer um die, die sie verloren haben. Zu bedrohlich sind die Erinnerungen an die Schrecken der Vergangenheit. Erst ihre Kinder, ihre Enkel, ihre Nachkommen können wieder Vertrauen fassen.

Und die Moral von der Geschichte? Können wir etwas lernen daraus? Immerhin dies: Dass es Gott nicht kalt lässt, was wir hier auf Erden tun. Aber dass es ihn auch nicht kalt lässt, was wir hier auf Erden erleiden.

Nachzulesen ist die Sintflutgeschichte im Ersten Buch Mose, Kapitel 6–9. 

N wie Namen

Jedes Kind, das geboren wird, bekommt einen Namen. Es hat schon einen, bevor es auf die Welt kommt, den Familiennamen. Es wird so heissen, wie seine Eltern heissen, wie sein Vater oder wie seine Mutter heisst. Aber es bekommt auch noch einen Vornamen, und die, die ihn aussuchen, verbinden damit meistens viele gute Wünsche. Oft überlegen sie lange hin und her: soll ein Mädchen den Namen seiner Grossmutter tragen, weil das eine wunderbare Frau war? Oder ein Knabe den Namen seines Vaters, weil dieser so stolz ist auf seinen kleinen Jungen? Vielleicht soll der Name einfach schön klingen, oder möglichst kurz sein, damit man ihn nicht abkürzen und verunstalten kann. Hast du einen Namen bekommen, der dir gefällt?

Wenn du gefragt wirst, wer du bist, dann sagst du deinen Namen. Aber sagt dein Name wirklich, wer du bist? Vielleicht möchtest du ja jemand ganz anderes sein … Hör die Geschichte vom verborgenen Namen von König Salomo:

Weisst du, wer König Salomo ist? In seinem Namen ist das hebräische Wort Schalom versteckt und das heisst Frieden. Diesen Namen hat ihm sein Vater, König David, gegeben. Vielleicht weil er sich nach Frieden sehnte, nachdem er so viele Kriege hatte führen müssen, um sein Königreich zu festigen. Und Salomo wurde in der Tat ein Friedenskönig, als er nach seinem Vater David auf den Thron kam. Aber Salomo hatte noch einen anderen Namen. Einen, den niemand kennt. Und das kam so:

Als David König über ganz Israel geworden war, liess er in Jerusalem einen Palast bauen, ganz oben auf dem Berg. Wenn es abends etwas kühler wurde, trat er manchmal auf die Terrasse hinaus und sah auf die Häuser seiner Stadt hinunter. Er sah die Menschen auf ihren Dachterrassen oder in ihren Gärten und freute sich. Eines Abends entdeckte er eine schöne junge Frau, die gerade am Baden war. Bei ihrem Anblick verliebte sich David und wollte sie gerne ganz für sich haben. Er erkundigte sich, wer diese Frau sei. Man sagte ihm: «Das ist Batseba, die Frau von Urija, dem Hetiter». Urija war Soldat in Davids Armee und die war zu der Zeit gerade auf einem Feldzug. Da liess David Batseba in seinen Palast holen und verbrachte die Nacht mit ihr. Er dachte: Ein König darf sich alles erlauben.

Nach ein paar Wochen liess Batseba den König wissen, dass sie in jener Nacht schwanger geworden war. Was würde wohl ihr Mann sagen, wenn er nach Hause kam? David überlegte nicht lange. Er liess seinem Feldherrn Joab einen Brief zukommen und schrieb: «Stell Urija bei der nächsten Schlacht zuvorderst an die Front, damit er erschlagen werde und umkomme.» Nach wenigen Wochen kam dann auch die Meldung, dass Urija in einem siegreichen Feldzug im Kampf gefallen und als Held gestorben sei. Jetzt konnte David Batseba zu sich in den Palast holen und heiraten. Ende gut, alles gut? Nein, denn auch ein König darf sich nicht alles erlauben!

Eines Tages erschien im Palast ein Mann namens Natan, ein stadtbekannter Prophet. Er verlangte, beim König vorgelassen zu werden. Als David ihn empfing, erzählte Natan ihm die traurige Geschichte eines armen Mannes in Jerusalem. «Stell dir vor», sagte er, «dieser arme Mann besitzt nichts ausser einem einzigen Lämmlein, von dessen Milch und Wolle er lebt und an dem sein ganzes Herz hängt. Sein reicher Nachbar hingegen hat eine ganze Schafherde. Eines Tages bekommt der Reiche hohen Besuch. Dem will er ein gutes Essen vorsetzen. Aber es reut ihn, ein Tier aus seiner Herde zu schlachten. Da geht er einfach zum Armen hinüber und nimmt ihm sein Lämmlein weg, um es für seine Gäste zu braten. Wovon soll nun der Arme noch leben?» David hörte sich die Geschichte an und war masslos empört. Er sagte zum Propheten: «Der Mann, der das getan hat, muss sterben!» Natan antwortete: «Du bist dieser Mann! Hast du nicht alles, was dein Herz begehrt, auch schöne Frauen, mehr als eine, und nimmst Urija seine Batseba weg, die einzige Frau, an der sein Herz hängt, und ihn lässt du umkommen durch das Schwert. Das ist unrecht vor Gott und in den Augen der Menschen. Du hast dir soeben selbst das Urteil gesprochen!» Da erschrak David sehr und sagte: «Ja, was ich getan habe, ist böse. Ich habe den Tod verdient.» Der Prophet sagte zu ihm: «Gott wird dir das Leben lassen. Nicht du musst sterben, sondern das Kind, das Batseba zur Welt bringen wird. Dein Sohn wird nicht am Leben bleiben.»
Und so geschah es. Batseba brachte ein Knäblein zur Welt, doch es wurde bald schwer krank und König David hatte grosse Angst um dieses Kind. Er ass nicht mehr und schlief nicht mehr und weinte und betete, es möge doch am Leben bleiben. Er wich nicht von seinem Bettchen, sogar in der Nacht blieb er bei ihm und legte sich neben ihm auf den Boden, sieben Tage lang, bis es starb. Als es tot war, stand David vom Boden auf, badete, zog frische Kleider an, ass etwas und ging zurück in sein Schlafgemach zu Batseba. Er tröstete sie und sich mit ihr und Batseba wurde wieder schwanger und die beiden bekamen noch einmal einen Sohn. David nannte ihn Salomo. Jetzt kannst du dir vorstellen, nach welcher Art Frieden David sich sehnte. Frieden im eigenen Herzen, Frieden mit Gott. Er liess Natan rufen und legte dem Propheten das Kind in die Arme, voller Dankbarkeit dafür, dass Gott ihm diesen zweiten Sohn gegeben hatte, trotz allem. Und der Prophet gab Salomo einen zweiten Namen, nämlich Jedidjah. Das bedeutet: Der, den Gott liebt. Oder einfacher: Gottes Liebling!

Kein Mensch nannte König Salomo später Jedidjah. Vielleicht kannte nicht einmal Salomo selbst seinen verborgenen Namen. Vielleicht hat ihm sein Vater David einmal davon erzählt, wer weiss? Vielleicht hat er auch einfach gespürt, dass Gott ihn liebte. Das genügt für ein glückliches Leben.

In der Bibel steht, dass Gott den Namen eines jeden von uns in seine «Handfläche geritzt» (Jesaja 49,16) hat. Unseren verborgenen Namen. Den Namen, der sagt, wer wir wirklich sind. Einen Namen, der nicht verkürzt und verunstaltet, nicht beschädigt, nicht in den Schmutz gezogen werden kann. Einen Namen, der uns ganz benennt, mit allem, was zu uns gehört und uns die Freiheit gibt, auch ganz anders zu sein, als man uns zu kennen meint.
Übrigens: Auch der Name Gottes ist ein verborgener Name. Die Muslime sagen: Gott hat neunundneunzig Namen. Den hundertsten kennt nur das Kamel. Das ist sein verborgener Name. Gott ist der Schöpfer. Er ist das Leben. Er ist unser Vater. Er ist das Licht … Aber wer er in Wahrheit ist, das bleibt sein Geheimnis, das wir nicht benennen können.

Nachzulesen sind die Geschichten von David und von Salomo im Zweiten Buch Samuel, Kapitel 11 und 12.