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H WIE HANNA
HANNA IST TRAURIG. SIE WEINT.
HANNA WÜNSCHT SICH EIN KIND. ENDLICH HÖRT GOTT AUF HANNAS GEBET. HANNA BEKOMMT SAMUEL.
DER NAME SAMUEL BEDEUTET: GOTT HÖRT.

H wie Hanna

Weisst du, woher die kleinen Kinder kommen? Weisst du auch, wo du warst, bevor du auf die Welt gekommen bist? Lass dir die Geschichte von Hanna erzählen:

Hanna war die Mutter von Samuel, der später ein ganz bedeutender Mann werden sollte, ein Prophet. Aber Hanna hatte sehr lange warten müssen, bis sie endlich ein Kind bekam. So lange, dass sie schon ganz verzweifelt war. Zwar hatte sie einen Mann, der sie sehr lieb hatte. Er hiess Elkana. An diesem Mann kann es nicht gelegen haben, dass Hanna nicht schwanger wurde. Elkana hatte nämlich zwei Frauen, was damals nicht ungewöhnlich war. Mit der zweiten Frau Peninna hatte Elkana viele Kinder. Jedes Mal, wenn Peninna wieder ein Kind zur Welt brachte, freuten sich alle. Nur Hanna wurde immer noch trauriger.

Im Frühling zog Elkana jeweils mit seinen beiden Frauen und allen seinen Kindern zum grossen Wallfahrtsfest der Juden nach Schilo, wo damals der Tempel stand. Er nahm ein junges und gesundes Stierkalb mit sich, das er Gott opferte, zum Dank für die Fruchtbarkeit seiner Herden, seiner Felder und seiner Frau Peninna, zum Dank, dass es seiner Familie gut ging und dass Gott ihn so reich gesegnet hatte. So war das damals Brauch in Israel. Wer weniger wohlhabend war, nahm ein Lämmlein oder ein Ziegenböckchen, und arme Leute, die nicht einmal Schafe hatten, kauften sich ein Täubchen für das Opferfest. Sie brachten die Tiere den Priestern im Tempel. Dort wurden sie geschlachtet, das Blut wurde an den Altar gesprengt, das Fleisch gebraten und anschliessend gab es ein Fest, an dem man es gemeinsam verzehrte und fröhlich war. Die Loblieder, die dabei gesungen wurden, waren für Gott, die besten Fleischstücke vom Opfertier für die Priester, und alles Übrige wurde an das Volk verteilt. Doch während des Festmahls begann Hanna jedes Mal zu weinen, von Jahr zu Jahr bitterlicher. Elkana versuchte sie jeweils zu trösten, er legte ihr immer ein besonders grosses Stück vom Braten auf den Teller, doch Hanna rührte das Essen nicht an. Sie war eifersüchtig auf Peninna, die dasass wie eine aufgeplusterte Henne mit ihren Küken, strahlend vor Mutterstolz im Kreise ihrer Kinder. Und Peninna war eifersüchtig auf Hanna, weil Elkana sie immer bevorzugte. Sie wusste ja, dass Elkana Hanna mehr liebte als sie, aber musste er das in aller Öffentlichkeit auch noch zur Schau stellen, indem er zu ihr sagte: «Schau, Peninna hat Kinder, aber du, du hast doch mich! Bin ich dir nicht mehr wert als zehn Söhne?» Das nahmen ihm grad alle beiden Frauen übel!

Einmal geschah es, als bereits alle müde waren vom Essen und vom Trinken und sich die Leute langsam zum Schlafen zurückzogen, dass Hanna sich ganz leise davonstahl. Peninna und Elkana mussten sich um die Kinder kümmern, die nicht ins Bett wollten. Darum merkten sie es gar nicht. Hanna schlich in den Tempel, vorbei an dem alten Priester Eli, der auf seinem Sessel im Eingang bereits eingeschlafen war, und dort warf sie sich auf den Boden und begann zu weinen und zu beten und Gott anzuflehen, dass er ihr doch endlich auch ein Kind schenken möge. Sie tat sogar ein Gelübde und sagte: «Wenn ich einen Sohn bekomme, will ich ihn dir geben, er soll dir ein treuer Diener werden.» Wer weiss, wie lange die Hanna dort gekniet und Gott angefleht haben mag in der Dunkelheit des leeren Tempels? Jedenfalls erwachte der alte Priester Eli, und als er eine Frau am Boden sah, die leise vor sich hin sprach, meinte er, sie wäre betrunken. Er ging zu ihr hin und sagte: «Was ist los mit dir? Schämst du dich nicht, in diesem Zustand in Gottes Haus zu kommen. Schlaf deinen Rausch woanders aus und verschwinde.» Da richtete Hanna sich auf und sagte: «So ist es nicht. Es ist nicht der Wein, es ist die Verzweiflung, die mich in diesen Zustand versetzt hat. Ich habe lediglich mein Herz ausgeschüttet vor Gott.» Da sagte Eli zu ihr: «Geh in Frieden. Möge Gott dir geben, worum du ihn gebeten hast.» Und Hanna ging zurück zu ihren Leuten, legte sich zu Elkana, schlief, ass wieder und war nicht mehr traurig.

Am anderen Tag gingen sie in aller Frühe alle noch einmal in den Tempel zum Morgengebet und dann kehrten sie nach Hause zurück. Im Jahr darauf bekam Hanna ein Kind, einen Sohn, wie sie es von Gott erbeten hatte. Sie nannte ihn Samuel, denn, so sagte sie, Gott hat meine Not gesehen und hat mein Gebet erhört. Der Name Samuel bedeutet: Gott hört. Und dieser Samuel wurde später tatsächlich ein Gottesmann, ein grosser Prophet in Israel.

Weisst du jetzt, woher die kleinen Kinder kommen? Sie kommen von Gott. Es liegt nicht an der Frau oder am Mann allein oder auch an beiden, wenn die zwei keine Kinder bekommen. Kinder sind ein Geschenk. Jedes Kind ist ein Kind Gottes. Es ist, längst bevor es zur Welt kommt, schon ein Gedanke seines Herzens, den er Gestalt annehmen lässt im Körper einer Frau, die seine Mutter, und in der Liebe eines Mannes, der sein Vater werden wird.

Die Geschichte von Hanna und Samuel ist nachzulesen im Ersten Buch Samuel, Kapitel 1 und 2.

H wie Himmel und Hölle

«Himmlisch!», sagen wir, wenn etwas ganz wunderbar ist. Ein Himbeereis oder ein kühles Bier an einem heissen Ferientag. «Höllisch!», sagen wir, wenn etwas furchtbar wehtut. Ein Loch im Zahn oder ein Rippenbruch. Denen, die wir lieben, denen wünschen wir, dass sie einmal in den Himmel kommen, wenn sie gestorben sind – und wir mit ihnen. Und die anderen sollen in der Hölle schmoren. Kennst du welche, denen du das wünschst? Falls es die Hölle überhaupt gibt …

Hier auf Erden gibt es auf alle Fälle beides. Menschen, die einen Krieg überlebt haben, können von der Hölle erzählen. Und ganz gewiss gibt es im Leben jedes Menschen auch Momente, in denen man über sich den Himmel offen sieht. Himmlische Augenblicke, in denen man die Zeit und auch sich selbst vergisst und einfach nur da ist: ganz Ohr für eine Musik, hin und weg von einem Duft, glücklich und aufgehoben in der Gegenwart eines anderen Menschen.

In alten Kirchen gibt es immer wieder Darstellungen von Himmel und Hölle. Es gab Zeiten, in denen sich die Menschen ganz bildlich ausgemalt haben, wo wir hinkommen werden, wenn wir einmal gestorben sind. Ihre Vorstellungen sind gewiss auch Ausdruck ihrer Wünsche und vor allem ihrer Ängste, denn es ist ja noch nie jemand zurückgekommen, der sagen konnte, was uns denn «im Jenseits» wirklich erwartet. Aber diese Vorstellungen haben auch zu tun mit der Bibel, die vom Jüngsten Tag spricht, an dem alle Menschen, die Lebenden und die Toten, vor ihrem himmlischen Richter erscheinen müssen. Darstellungen von Christus als Weltenrichter findet man in mittelalterlichen Kirchen oftmals über dem Hauptportal. Ganz berühmt ist die am Berner Münster, die müsstest du einmal anschauen gehen. Es gibt auch noch viele andere, in Frankreich besonders, in ganz Europa, aber es gibt kaum eine moderne aus heutiger Zeit. Vom Jüngsten Gericht ist auch in unseren Gottesdiensten fast gar nicht mehr die Rede. Eigentlich schade. Denn die biblischen Bilder wollen uns ja nicht in erster Linie mit der Androhung einer Endabrechnung ängstigen, sondern die tröstliche Zusage geben, dass es einen Richter gibt, dem Unrecht nicht gleichgültig ist und dem vor allem die, die Unrecht erleiden, nicht gleichgültig sind. Sie führen uns vor Augen, dass jede und jeder von uns das Recht hat, einmal ganz erkannt zu werden. Mit allen Stärken und guten Taten, aber auch mit allen Fehlern und Schwächen. Wer nicht zu viel seelische Hornhaut hat und noch fähig ist, sich zu schämen, weiss ja auch, dass nicht alles richtig war und gut ist in seinem Leben und auch vieles nicht wiedergutzumachen. Wir sind manchmal Opfer, aber wir sind manchmal auch Verursacher von Leid und Leiden, und es gehört zur Würde eines Menschen, die eigene Schuld erkennen und anerkennen zu können. Die Bösen sind ja nicht immer nur die anderen. Zum Glück stehen wir Menschen beim Jüngsten Gericht aber vor dem Richterstuhl eines nicht nur gerechten, sondern auch barmherzigen und menschlichen Gottes.

Und was ist mit der Hölle? Es gäbe ja durchaus einiges, was dort zu verbrennen wäre. Aber wenn Christus selbst der Richter ist, glaube ich nicht, dass Menschen ins Feuer geworfen werden. Wohl eher unsere schmutzigen Kleider, wenn wir nackt und unverhüllt vor ihn treten, damit er unser Herz sehen kann, wie es bisher noch niemand gesehen hat. Die Bibel ermutigt uns, nicht zu spekulieren, wie es im Himmel einmal sein wird und wie es in der Hölle zugehen mag. Sie ermutigt uns, auf Christus zu vertrauen, der uns erlösen will von allem Bösen, jetzt schon und in Ewigkeit.