D

D HAT EINEN DICKEN BAUCH.
D HAT EIN GROSSES MAUL.
DAVID HAT KEINE ANGST.
DAVIDS STEIN FLIEGT MITTENDURCH.
GOTT SEI DANK.

D wie David

David war der Jüngste einer grossen Familie. Er hatte sieben grosse Brüder, alle älter und stärker als er. Wenn die mit dem Vater Isai aufs Feld gingen, oder in die Berge, um nach den Schafen zu sehen, blieb er bei der Mutter im Zelt. Die erzählte ihm Geschichten und sang Lieder mit ihm. David hatte rote Locken und eine schöne Stimme.

Eines Tages im Frühjahr sagte der Vater zu seiner Frau: «Du verzärtelst den Jungen. Er muss lernen, ein Mann zu sein. Er ist jetzt alt genug, dass er die Schafe hüten kann. Er soll draussen bei der Herde bleiben, oben in den Bergen, während wir hier unten die Felder bestellen.»

David war stolz, aber er fürchtete sich auch, vor allem vor der Kälte in der Nacht und vor den wilden Tieren. Er war auch nicht gewohnt, so viel allein zu sein. Mit wem sollte er reden?

Die Mutter packte ihm einen grossen Rucksack voll mit Brot, Käse und trockenem Fleisch. Der Vater und sein ältester Bruder begleiteten ihn und gaben ihm einen Stock, mit dem er die Schafe zusammentreiben und sich gegen Wölfe wehren konnte. Sogar Löwen und Bären gab es in jener Gegend. Gefährlich – nicht für Menschen, aber für die Schafe – waren auch die Adler. Die holten sich neugeborene Lämmer.

Die Tage eines Hirten sind lang. Wie sollte David sich die Zeit vertreiben? Er sang alle Lieder, die er kannte. Er schnitzte sich eine Flöte und lernte die Melodien zu spielen. Er machte sich ein einfaches Saiteninstrument, um sich beim Singen zu begleiten. Er begann, eigene Lieder zu dichten. Es waren Lieder, die wie Gebete waren, solche, wie sie seine Mutter gesungen hatte. Danklieder, wenn es ihm gut ging. Klagelieder, wenn er traurig war. Bitten, wenn er Angst hatte. Aber natürlich machte er nicht nur Musik. Schliesslich war er da, um die Schafe zu hüten. Er übte, geschickt mit seinem Stecken umzugehen. Ihn zu werfen wie einen Speer. Ihn zu führen wie ein Schwert. Ihn niedersausen zu lassen, als wärs ein Schlagstock. Er machte sich auch eine Steinschleuder, mit der er kleinere und grössere Steine schleudern konnte, immer weiter, immer zielgenauer, damit er einen Adler in der Luft treffen könnte, wenn einer über seiner Herde kreiste.

Mit der Zeit schärfte David seine Augen und seine Ohren. Einmal in der Woche kam einer seiner Brüder, um ihm Proviant zu bringen. Diesen sah er bereits, wenn er erst ein Pünktchen war am Horizont, und er hörte ihn schon, noch bevor er als Pünktchen sichtbar wurde. Einmal allerdings liess er sich überraschen. Es wurde schon langsam dunkel, David sang ein Abendlied, als plötzlich einer der Knechte seines Vaters vor ihm stand. «Komm sofort», keuchte dieser, «dein Vater ruft dich.» David folgte ihm, ganz aufgeregt, da musste wohl etwas passiert sein. Als sie zu Hause ankamen, war die ganze Familie versammelt. Und ein hoher Gast war da: Samuel, der Prophet. Der ging auf David zu, sah ihm in die Augen und sagte dann zu seinem Vater: «Der ist es.» Er strich David über den Kopf, goss ein Fläschen Öl über seine Locken und alle schauten zu. Nur Samuel kannte schon damals den Plan von Gott: Er salbte David zum neuen König über Israel. David wusste nicht, was mit ihm geschah. Er wurde aufs Feld zurückgeschickt. Aber von da an erfüllte ihn eine grosse Freude. «Der ist es», hatte der Prophet gesagt. Was das wohl bedeutete? «Ich bins», sagte sich David, «der Auserwählte!» Doch auserwählt wozu?

Als der Sommer zu Ende ging, trieb David die Schafe talwärts, heimwärts. Das ganze Dorf Betlehem, wo er zu Hause war, war in grosser Aufregung. Es standen zwei Boten des Königs da und fragten David: «Bist du der Junge mit der schönen Stimme, der so gut singen und spielen kann?» «Ja», antwortete die Mutter an seiner Stelle, «das ist er, unser Jüngster.» Die Boten sagten: «Dann komm einmal mit, wir bringen dich zum König. Du sollst ihn mit deinem Gesang aufheitern, denn er ist ganz traurig und niemand vermag seine Schwermut zu vertreiben.» Wenn der König ruft, muss man natürlich gehen. Die Mutter schnürte ihm schnell ein Bündel frische Kleider, der Vater packte einen Sack Brot, einen Schlauch Wein und ein Ziegenböcklein auf einen Esel, als Geschenke für den König, und so ging David mit den Boten an den Hof von König Saul.

Immer dann, wenn nun die Schwermut König Saul überkam, führte man David zu ihm und er spielte für ihn und sang, bis es dem König leichter wurde ums Herz. Und Saul gewann David aufrichtig lieb.

Doch dann kam der Krieg. Ein fremdes Volk, die Philister, rückte mit einem grossen Heer gegen Israel heran, um es aus dem Land zu vertreiben. Jetzt war nicht mehr Zeit zum Singen und zum Spielen. Saul rief die Männer seines Volks zusammen und zog mit ihnen in den Krieg. David war noch zu jung, um Soldat zu sein. Seine Brüder allerdings waren alle eingezogen worden. Umso dringender wurde David zu Hause gebraucht. Jemand musste doch zu den Herden schauen und die Felder bestellen. Schliesslich brauchten die Truppen des Königs auch Verpflegung. Wer nichts zu essen hat, ist nicht kriegstüchtig. So packte der Vater Käse und Brot und Trockenfleisch ein und trug David auf, es seinen Brüdern ins Heerlager zu bringen. David machte sich auf den Weg über die Berge. Er kannte die Gegend gut, hier war er oft gewesen mit seinen Schafen. Oben auf den Hügeln sah man gut in die Ebene hinunter, wo sich die Heere der Philister und der Israeliten gegenüberlagen. Kämpfe fanden keine statt, offenbar waren Verhandlungen im Gang.

Als David zu seinen Brüdern kam, erfuhr er mehr. Sie waren sehr niedergeschlagen. Sie sagten: «Diese Schlacht können wir nicht gewinnen. Die Philister haben einen Riesen in ihren Reihen. Der stellt sich jeden Tag vor uns hin und sagt: ‹Wählt einen unter euch aus, der es mit mir aufnehmen kann. Wenn einer von euch mit mir zu kämpfen bereit ist und gewinnt, werden wir uns alle geschlagen geben und eure Sklaven sein. Wenn er aber verliert und ich ihn erschlage, dann nehmen wir euch alle gefangen und ihr müsst unsere Untertanen sein.› Das geht nun schon seit vierzig Tagen so. Doch stell dir vor, David, dieser Riese ist doppelt so gross wie der Grösste unter uns, doppelt so schwer und seine Rüstung ist doppelt so gut wie unsere.»

Als sie gerade so berichteten, trat der Riese aus dem Lager der Philister heraus und verspottete die Israeliten wie jeden Tag und rief: «Ihr Angsthasen! Wagt denn keiner, es gegen Goliat aufzunehmen?» David war ganz aufgeregt und fragte die Männer rundherum: «Wie kommst es, dass ihm keiner das Maul stopft?» Da wurde sein ältester Bruder wütend und sagte zu ihm: «Dir sollte man das Maul stopfen, hörst du? Was hast du überhaupt zu suchen hier? Geh besser nach Hause und schau nach den Herden. Krieg ist nichts für kleine Jungen.» Aber David liess sich nicht einschüchtern. Er ging zum Zelt des Königs und weil die Wächter ihn kannten, liess man ihn ein. David sagte zu Saul: «Das dürfen wir uns nicht länger gefallen lassen. Ich will gegen Goliat kämpfen. Ich will für dich streiten.» Saul antwortete: «Hör zu, mein Junge, du bist noch ein Kind, du kannst nichts ausrichten gegen diesen Riesen, keiner von uns kann es.» Aber David erwiderte: «Es ist nicht die Muskelkraft, die zählt. Was zählt, ist das Vertrauen: Gott wird mir helfen. Ich kann gut mit der Steinschleuder umgehen.» Saul sah, wie entschlossen David war, fast beneidete er ihn um diese Kraft, und er gab ihm seine Rüstung und sagte: «Zieh dir die an und geh mit Gottes Hilfe.» Doch Panzer, Schild und Speer waren viel zu schwer für David. Lieber nahm er seinen Stock in die Hand und legte sich fünf glatte Steine in seine Hirtentasche. So trat er am nächsten Tag vor das Heerlager der Philister und forderte seinen Gegner heraus: «Goliat, ich bin bereit zum Kampf!»

Als Goliat den kleinen David sah, fing er an zu lachen und zu fluchen: «Bin ich denn ein Hund, dass man mit einem Stecken auf mich losgeht? Komm nur näher, du Wicht, heute Abend werde ich dein Fleisch den Hunden zu fressen geben.» David holte tief Luft und schrie ihm entgegen: «Du kommst mit Schwert, Speer und Säbel, aber ich komme im Namen Gottes, den du verspottet hast. Dafür werde ich dir heute noch den Kopf abschlagen. Alle Welt soll wissen, dass weder Schwert noch Speer noch Säbel, sondern Gott allein sein Volk rettet. Er wird dich in meine Hand geben.» Und schon griff er in seine Tasche, legte den grössten der Steine in seine Schleuder und zielte genau auf Goliats Kopf. Der Stein traf ihn mit voller Wucht zwischen den Augen und schlug ihm den Schädel ein, sodass der Riese vornüber fiel und liegen blieb. Da ging David hin, riss ihm sein Schwert aus der Scheide und schlug ihm damit den Kopf ab.

Als die Philister sahen, dass ihr grosser Held tot war, ergriffen sie die Flucht. Die Israeliten jedoch brachen in Siegesgeschrei und grossen Jubel aus und verfolgten ihre Feinde bis an die Grenzen des Landes. Als sie schliesslich siegreich zurückkehrten, wurden sie von den Frauen ihres Volks mit Jubel empfangen. Der Oberbefehlshaber der Israeliten führte David zu König Saul. David legte ihm Goliats Kopf vor die Füsse und sagte zu ihm: «Lass uns Gott danken, der uns den Sieg gegeben hat.» Saul aber blickte finster. Er ahnte schon: Dieser Junge wird ihn eines Tages vom Thron stürzen und König werden über Israel.

Und so kam es auch. David wurde später der grösste König, den Israel je hatte. Nicht weil er so stark war. Im Gegenteil, er hatte grosse Schwächen, die sich im Laufe seines langen Lebens zeigten. Er war der grösste König, weil er sich auf Gott verliess und darauf vertraute, dass Gott selbst die niemals verlässt, die er sich auserwählt hat: sein Volk und seinen König. So wie ein Vater oder eine Mutter ihre Kinder niemals im Stich lassen. David war Gottes Liebling. Und er wusste es!

Nachzulesen in der Bibel sind die Davidsgeschichten im Ersten Buch Samuel, ab Kapitel 16 bis zum Ersten Buch der Könige, Kapitel 2.

D wie Dank

Es gibt ein paar Wörter, die Kinder ganz früh lernen. Danke gehört dazu. Wenn wir etwas bekommen, sollen wir danke sagen. Das wird uns im zartesten Alter schon beigebracht. Aber wir bekommen ja auch Dinge, die wir nicht wollen. Spinat auf den Teller oder sonst etwas, das wir gar nicht mögen … Da würde man doch lieber «nein danke» sagen, sonst gibt es möglicherweise noch mehr davon.

Dank ist eine Form von Höflichkeit und von Respekt der Person gegenüber, die uns etwas gibt. Aber Dank ist mehr als nur Höflichkeit. Es ist eine Grundhaltung im Leben, die wir von klein auf einüben müssen. Denn das Wichtigste im Leben ist, was wir bekommen, und nicht, was wir machen. Danken bedeutet sich eingestehen, dass wir auf andere angewiesen sind, die uns etwas geben. Dass wir abhängig sind, nicht nur als kleine Kinder. Und nicht erst, wenn wir krank oder alt sind. Sondern alle und immer. Wir sind abhängig davon, dass man uns gern hat. Dass man uns zuhört. Dass man uns ernst nimmt. Dass man uns hilft. Und dass wir mehr bekommen, als wir verdienen. Denn hie und da, als Kind spürt man das sehr genau, hätte man ja eher eine Strafe verdient – und trotzdem nimmt einen die Mutter in die Arme und sagt: «Das war nicht gut, aber beim nächsten Mal machst du es besser!»

Zu danken gibt es eigentlich immer. Es ist ja nicht selbstverständlich, dass wir genug zu essen haben, dass wir sicher wohnen, dass wir gesund sind, dass wir in Frieden leben. Unverdienterweise und nicht, weil wir so tüchtig sind. Aber wem danken wir eigentlich dafür? Und wie danken wir? Manchmal findet man selbst gar nicht die richtigen Worte. In der Bibel kann man sich dafür welche ausleihen. Vor allem im Buch der Psalmen, den Liedern von König David, der richtig gut im Danken war. Ein Psalm, der Davids ganzes Gottvertrauen und seine tiefe Lebenszuversicht zum Ausdruck bringt, ist beispielsweise der Psalm 23:

Der Herr ist mein Hirt, mir mangelt nichts,
er weidet mich auf grünen Auen.
Zur Ruhe am Wasser führt er mich,
neues Leben gibt er mir.
Er leitet mich auf den Pfaden der Gerechtigkeit
um seines Namens willen.
Wandere ich auch im finstern Tal,
fürchte ich kein Unheil,
denn du bist bei mir,
dein Stecken und dein Stab,
sie trösten mich.
Du deckst mir den Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbst mein Haupt mit Öl,
übervoll ist mein Becher.
Güte und Gnade werden mir folgen
alle meine Tage,
und ich werde zurückkehren ins Haus des HERRN
mein Leben lang.
Der Psalm 23 gehörte früher zur eisernen Ration im christlichen Unterricht. Es kann aber auch ein einfaches Tischgebet sein, das uns ganz selbstverständlich bewusst macht, wovon wir leben:
Alle guten Gaben,
alles, was wir haben,
kommt, o Gott, von dir.
Wir danken dir dafür.