Jubiläum

Thomas Leininger- 10 Jahre Musiker in der Kirchgemeinde Binningen-Bottmingen

An einem stürmisch-unfreundlichen Januar-Nachmittag habe ich Thomas Leininger in der Kirche Bottmingen ein paar Fragen gestellt.

10 Jahre in unserer Kirchgemeinde: Gibt es Highlights?

Jährliche Highlights sind die stimmungsvollen Abendgottesdienste bei Kerzenlicht an Heilig-Abend um 22.30 in der Margarethen-Kirche oder die Passionsandachten. Auch die Aufführung des Weihnachtsoratoriums zusammen mit der Margarethen-Kantorei Binningen-Bottmingen ist mir in guter Erinnerung geblieben. Die vom Kirchgemeindeverein organisierten Sommerkonzerte finden nun schon seit einigen Jahren statt und sind ebenfalls besondere Anlässe.

Was schätzt du besonders an deiner Arbeit?

Ich kann eigenverantwortlich arbeiten und geniesse sehr die Freiräume bei Gestaltung der musikalischen Gottesdienste und dass mir verschiedene Räume mit je eigener Akustik und verschiedene Instrumente zur Verfügung stehen. Die Musik wird in der Kirchgemeinde geschätzt, gefördert und unterstützt. Der Zuspruch und die vielen positiven Rückmeldungen sind dabei ein ganz besonderes Geschenk. Dazu kommt ein gutes Arbeitsumfeld mit einem engagierten Musiker-Team; wir können darüber hinaus weitere Musiker*innen zur Mitgestaltung eines Anlasses einbeziehen. Das ist schön!

Was gefällt dir an der Kirchenmusik?

Die Orgel beherbergt ein ganzes Orchester! Sie steht in einem ihr zugedachten Raum und trägt bei zur Atmosphäre eines besonderen Ortes (besonderes in der Margarethenkirche) und eines gewissen Zeitpunkts. In diesem Sinne findet Kirchenmusik auch ausserhalb des Alltags statt, den sie ergänzt, zu dem sie aber auch einen “Kontrapunkt” bildet. Sie ist ein eigenes Genre, wie die biblischen Texte; sie kann für die Musik des Himmels stehen, visionär und transzendent sein. Aber sie lebt auch von der eigenen Interpretation: ich kann Empfindungen hineinlegen, die mir persönlich wichtig sind. Innerhalb der faszinierend vielfältigen Orgellandschaft Basels einen Beitrag leisten zu können, ist anregend.

Hat die Kirchenmusik Zukunft?

Ich bin kein Prophet. Ich denke ja, auch wenn sie nicht mehr die zentrale Rolle der Vergangenheit spielen wird. Heute ist sie ein Angebot unter vielen. Unsere Erziehung ist nicht mehr darauf ausgerichtet, dass man den Gang in die Kirche als zentrales Element im Leben ansieht. Das Leben ist nicht mehr vordefiniert. Heute stehen individuelle Selbstverwirklichung (im guten Sinn) und ein enormer Konsum (in einem bedenklichen Mass) an erster Stelle. Kirchenmusik wird daher nur von denjenigen gehört, die sie auch wirklich hören wollen. Gleichzeitig sind das kulturelle Angebot und die vielen Möglichkeiten, Kultur auch auf anderen, z.B. digitalen Wegen zu “konsumieren”, fast unüberschaubar geworden. Ob das gut oder schlecht ist? Das wird jeder anders beurteilen.

Welche musikalische Epoche magst du am liebsten und warum?

Persönlich liebe ich alles zwischen Renaissance und früher Romantik. Am vertrautesten bin ich mit der Klassik, einer Epoche, über welche man viele Kenntnisse hat und deren Musiksprache auch heute noch vielen Menschen unmittelbar verständlich ist. Insgesamt bieten aber alle Epochen der “Alten Musik” sehr sinnliche, bunte, vielfältige, aufregende und berührende Klänge, ähnlich einem ästhetischen Gemälde, einem mitunter dramatischen, aber immer harmonischen Kunstwerk, in dem die menschlichen Empfindungen veredelt werden. Dazu passen auch die verschiedenen Instrumente vom Virginal bis zum Hammerflügel, Instrumente, die ich ebenfalls liebe und sehr gerne spiele.

Welche Wünsche hast du für die Zukunft?

Ich bin bewusst in Basel geblieben. Ich mag eine gewisse Stabilität im Beruf und in meinem Umfeld. Die Arbeit in der Kirchgemeinde, der Theorie-Unterricht an der Musikhochschule in Basel und der Unterricht von Student*innen im Haupt- und Nebenfach Aufführungspraxis und Generalbass: ich wünsche mir, dass es so weiter geht.

Lieber Thomas, auch wir wünschen uns, dass es so weiter geht! Im Namen der Kirchenpflege gratuliere ich dir sehr herzlich zu deinem Jubiläum und wünsche dir für die nahe und ferne Zukunft alles Gute und Gottes Segen.

Elisabeth Buess (Kirchenpflege und Leitung Ressort Musik)